Montag, 15. Juli 2013

wohnen im Goshiwon

 

Ach ja, das mit dem “Wohnung finden”, war mal wieder sehr abenteuerlich. Vor unserer Abreise versuchten wir noch mit Hilfe der koreanischen Kollegen uns eine Unterkunft zu organisieren. So versuchte unser Betreuer uns, trotz seiner bevorstehenden Hochzeit und anschließenden Flitterwochen, so gut wie es geht zu unterstützen. Nach dem Motto “irgendwas wird sich schon wieder ergeben” starteten wir in die Einführungswoche vom NRF, und machten uns keine Sorgen, denn wir waren diese Situation ja bereits aus Indien gewohnt. Doch mitten in der Woche machten wir uns dann doch ein wenig Gedanken, was nun am Freitag werden würde, wenn jeder Student in seine Gastunterkunft soll. Wir wendeten uns an Hans (bereits im vorherigen Blog vorgestellt), unserem Guide und zeigten ihm das von unserem Betreuer vorgeschlagene Motel. Kurzerhand verbrachte Hans ein paar Stunden nach dem Abendbrot bei uns auf dem Hotelzimmer und suchte sich durch koreanische Webseiten. Er tätigte unzählige Anrufe, um eine Unterkunft, möglichst in der Nähe der Universität zu finden und zu einem Preis den wir uns leisten können. Denn wohnen in Seoul ist teuer und teuer wohnen ist einfach.  Doch so richtig zufrieden war keiner von uns dreien mit dem Ergebnis. Da es ihm keine Ruhe lies, suchte Hans am nächsten Tag weiter und fand seiner Meinung nach ein gutes Angebot. Ein kleines Ein- Zimmer-Apartment halb unter der Erde, aber  doch recht hübsch auf den Bildern anzusehen.  Wir vereinbarten uns am Freitag, wohlgemerkt an Hans freiem Arbeitstag, mit ihm an der Konkuk-University Station zu treffen, um gemeinsam das Objekt der Begierde zu begutachten und um  gegebenenfalls doch noch das vorgeschlagene Motel anzuschauen. Mit einem trügerischen Gefühl machten wir uns nach dem Frühstück aus dem Seoul Palace Hotel auf dem Weg, denn bekanntlich können Bilder sehr leicht unschöne Details verbergen. Vorsichtshalber ließen wir die Koffer im Hotel, sofern das Bauchgefühl recht behielte, nicht den ganzen Tag Rucksack und 30kg Koffer bei 32°C durch Seoul zu ziehen.

Der Vermieter führte uns in einen Hinterhof. Das Zimmer, was er uns zeigte, hatte kein Bett, keine Schränke und kein Internet. Das “Badezimmer” war eine Hockdusche, d.h. es lag halb unter der Treppe des Hauses und der Duschkopf war in angenehmer 1,50m Höhe montiert. Auch wenn es recht günstig gewesen wäre (375€/m + 70€ Kaution), hätten wir für die zwei Monate alles dazu kaufen müssen. Auch das nächste Zimmer, was er uns zeigte, war nicht besser. Wir entschieden uns dagegen und hofften in der Kürze der Zeit etwas besseres zu finden. Hans nahm uns das nicht übel, denn selbst für Koreaner, so meinte er: “ The Bath was really shit!" Doch was nun? Weitersuchen! Wir liefen mit ihm weiter und klopften am nächsten Maklerbüro. Die Vermieterin zeigte uns die nächsten zwei Räume. Ähnlich der Ersten, doch schon etwas besser. Aber wir merkten schnell, wenn wir etwas preisgünstiges haben wollen, müssen wir uns auch auf etwas Enge einstellen.  Wir beschlossen, uns doch noch das Motel anschauen zu gehen. Ein Grund warum wir das nicht gleich getan haben ist, dass in Seoul die Motels ihre Zimmer eher Stundenweise vermieten Smiley.

Auf dem Weg kamen wir an mehreren Wohnblocks vorbei, wo Hans überall nach Wohnmöglichkeiten fragen ging. Da die Schilder alle auf Koreanisch waren und wir sie nicht verstanden, wären wir sowieso nie reingegangen, denn wir wären uns ja nicht mal ansatzweise bewusst gewesen, dass es sich um mietbare Zimmer handelt.  Beim vierten Anlauf brauchte er ewig bis er wieder herauskam und unser Gefühl verriet uns, das es wohl doch noch etwas geben könnte. Andererseits schreckte uns auch wieder die Vorstellung ab, was uns erwarten könnte, denn in dem Haus vor dem wir standen, stank es am Eingang nach Urin und der Flur machte ebenfalls keinen einladenden Eindruck. Es war noch ein Doppelbett in einem Goshiwon frei, sagte er uns. Diese Goshiwons sind nur wenige Quadratmeter große Räume, die das nötigste bieten: Ein Bett, einen kleinen Kleiderschrank, einen Schreibtisch, einen Mini-Kühlschrank, Dusche/WC. Jedoch das Gute an dieser Unterbringungsmöglichkeit ist, dass man in den allermeisten Fällen keine Kaution bezahlen muss, und es eigentlich keine längerfristige Vertragsbindung gibt. Man kann also einfach nach einem Monat wieder ausziehen.

Unser anfänglicher Eindruck wich aber schnell Begeisterung, denn die Mietzimmer begannen erst im 3. Stock des Gebäudes, und der untere Teil ist eine öffentliche Toilette für das benachbarte Restaurant. Der Flur änderte ebenfalls sein Erscheinungsbild. Es war alles sehr schön gefliest und auch sehr sauber. Schon im Treppenhaus hieß es deswegen: Schuhe aus! Zufrieden sagten wir “ja” und Hans ging mit uns den Mietvertrag durch, der komplett auf Koreanisch war. Und das beste: Wir sind nur 10min von der Uni entfernt. Unsere Vermieter sind Koreaner, was die Verständigung sehr schwierig macht. Doch mittlerweile, und durch Zuhilfenahme von Händen und Füßen, sowie stark vereinfachter englischer Wort Fragmente, gelingt es immer besser.

Danach zog Hans mit uns los und besorgte koreanische Simkarten bei olleh, was über eine Stunde dauerte, bis die Verträge endlich abgeschlossen waren Trauriges Smiley. Vom schlechten Gewissen geplagt, bedankten wir uns bei Hans für Hilfe, denn ohne ihn wären wir völlig aufgeschmissen gewesen. Zum Mittag essen lernten wir seine Frau kennen, denn die beiden erwarten in den nächsten Tagen Nachwuchs. Vielleicht war er auch ganz glücklich uns helfen zu können, denn so konnte  er doch den Launen seiner Frau entfliehenSmiley mit herausgestreckter Zunge . Wie dem auch sei, luden wir beide zum Essen ein und übereichten ihnen noch en paar typisch deutsche Süßigkeiten,  die wir als kleines Gastgeschenk mitgenommen hatten. Anschließend kauften wir noch Kissen und verabschiedeten uns sehr herzlich von ihm. Sogleich machten wir machten uns zurück auf dem Weg zum Hotel um unsere Koffer zu holen. Von dort nahmen wir ein Taxi zu unserer Unterkunft. Der Taxifahrer war sehr unfreundlich und gab vor zu wissen, wo er hin muss. Am Ende ließ er uns an einer Straßenecke raus und wir schoben noch gut 500m die Koffer. Aber egal, wir hatten unsere Unterkunft. Zufrieden und Glücklich. Alles andere war egal.

 

DSC00370Eingang

DSC00371Ausblick vom Korridor

DSC00433          Treppenaufgang – jeder hat seinen eigenen Schuhschrank                  

DSC00435auf unserer Etage gibt es 10 Zimmer; hinten links wohnen wir – die Koffer hatten keinen Platz mehr

DSC00437Das ist die Gemeinschaftsküche, wo es jederzeit kostenlos Reis, Fertignudeln und Kaffee gibt

DSC00438Waschminen gibt es auf dem nächsten Flur, die jederzeit benutzt werden können

DSC00467       Bettanfang mit unserer Kleidung, daneben das Bad mit Toilette als Duschkabine

DSC00471Bettende mit Blick zur Tür  

DSC00478  Soviel Platz ist zwischen Schreibtisch und Bett

 DSC00470rechts ist die Eingangstür und Schreibtisch mit unseren Laptops, TV, Kühlschrank, Ventilator

DSC00333         Hans mit seiner Frau beim Mittag essen

DSC00346Konkuk-University – 5min entfernt

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